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Veröffentlicht am 05.05.2017 von Claudia Niedermeier

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PRIM für Zusammenspiel und gegen Genregrenzen

Wenn eine Jazz-Band, die größtenteils von Improvisation lebt, ihre Songs auf CD presst, dann ist das schon kleines bisschen außergewöhnlich. Doch die Wiener Band PRIM unterscheidet sich in vielen weiteren Sachen von langweiligen Standards und vorgegebenen Mustern.

Ein erster Blick auf die jeweilige Biographie der drei Musiker Felix Biller (piano, guitar), Konuray Mutluer (bass) und Ralph Dammerer (drums) würde nicht vermuten lassen, dass die jungen Männer so perfekt in einer Band harmonieren. Der musikalische Hintergrund ist bei jedem ein komplett anderer. So ist Felix in erster Linie mit Pop- und Rockmusik wie von The Who oder den Beatles aufgewachsen, hat sich als Jugendlicher für Filmmusik interessiert und ist erst relativ spät zum Jazz gekommen, während Konuray mit türkisch-romanischen Klängen groß geworden ist. Er merkte jedoch schnell, dass die europäische Musik ihn faszinierte, sodass er immer weiter in den Bereich des traditionellen Jazz‘ eintauchen wollte. Den Mann am Schlagzeug, Ralph Dammerer, sagte hingegen die härtere Richtung wie Progressive Rock oder Rockmusik im Allgemeinen zu, sodass er vor PRIM in mehreren Rockbands das Schlagzeug gespielt hat. Aber auch ihn hat dann irgendwann die Leidenschaft für den Jazz gepackt und nicht mehr losgelassen. Damit waren schließlich die Voraussetzungen für eine Modern Contemporary Jazz Band geschaffen und die drei gründeten im Oktober 2015 die Band PRIM. Der Name soll übrigens an das Intervall einer verminderten Prim erinnern, das nur in der Theorie existiert. „Irgendwie fanden wir das alle lustig und dann ist es eben der Bandname geworden“, erklärt Felix dazu im gemeinsamen Gespräch mit Jazz News.

Gemeinsame Arbeit als Voraussetzung für tolle Ergebnisse

Ihre Musik möchten die drei nur ungern in Genre-Schubladen stecken, sondern lieber offen für alles bleiben. So gehören nicht nur Elemente aus dem traditionellen Jazz dazu, sondern auch aus der Klassik, aus der Pop- und Rockmusik oder Klänge der Balkan-Musik finden Einzug in ihre Titel. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die jungen Männer auf ganz unterschiedliche Weise mit der Musik in Berührung gekommen sind. Ähnlich bunt gemischt entstehen ebenfalls die Tracks der Musiker. Felix bringt einen komponierten Klavierauszug mit ins Studio, eine Art Grundidee, an der dann gemeinsam gearbeitet wird. Konuray fügt eine Basslinie hinzu und Ralph ergänzt seine Schlagzeugsounds. Aber nicht nur theoretisch, im Studio probieren die Künstler viel herum und lassen sich beim Improvisieren inspirieren. Wichtig ist den Musikern dabei, dass jeder einen melodischen Part übernehmen darf. Bass und Schlagzeug sollen nicht nur dem Rhythmus dienen. Alle Instrumente sollen melodisch miteinander kombiniert werden.

Je breiter das Publikum, desto besser

Dass sie auf diese Art und Weise nicht nur den traditionellen Jazz-Hörer ansprechen, wissen die drei. „Das Publikum kann gerne so unterschiedlich sein, wie möglich. Wir haben keine bestimmte Idee von unseren Standardhörern. Ich glaube, das ergibt sich. Jeder, der offen für Neues ist, darf sich unsere Musik gerne anhören“, erklärt Konuray. Daher haben PRIM seit April 2016 auch in den unterschiedlichsten Locations gespielt und freuen sich über jeden weiteren Live-Gig. Da gab es außer weniger tontechnischer Schwierigkeiten übrigens noch keine Probleme. Stattdessen erinnert sich jeder von den dreien an tolle Erlebnisse zurück, die Ralph nicht einmal ordnen möchte: „Also für mich war jeder Auftritt toll, jedes Erlebnis war schön.“ Felix freut sich dagegen ganz besonders über einen Abend nach einem Konzert im Kramladen, bei dem eine Zuschauerin auf ihn zukam und ihm für den tollen Abend dankte. Sie sei sehr inspiriert worden. „Das war ein Moment, da merkt man dann wieder, warum man das eigentlich macht. Es ist echt klasse, wenn wir andere Menschen mit unserer Musik inspirieren können“, freut er sich auch noch Wochen nach dem Konzert. Fragt man Konuray nach seiner schönsten Live-Erinnerung, dann nennt er ein Konzert, bei dem Ralph ihn zu einer neuen Spieltechnik inspiriert hat. Er war nur noch am Spielen, dachte nicht mehr nach und fing plötzlich an, seinem Bass durch Schlagen Töne zu entlocken. Bis heute nutzt er diese Spielweise und freut sich über diese spontane Idee auf der Bühne.

“Zusammen, Fusion und Interplay“

Cover

Cover des Albums „More & Less Diminshed“

Die Aufgabe ihre Musik in drei Worten zu beschreiben, erwies sich als relativ schwierig, sind doch die Einflüsse so vielfältig. Dennoch wählten PRIM die Worte „zusammen“ (Konuray), Fusion (Ralph) und Interplay (Felix) – die gemeinsame Arbeit und der gegenseitige Respekt macht sich wieder bemerkbar. Noch wirkt der Weg in die Zukunft noch ein wenig unbestimmt. Aber PRIM ist ein junges Jazz-Trio, das voller Energie ist. Sie laden jeden offenen Musikliebhaber ein, ihre Tracks zu hören, wie es Konuray treffend beschreibt: „Der Zuhörer soll einfach offen für Neues sein. Habt keine Erwartungshaltung und lasst euch überraschen. Wir lassen uns auch immer wieder bei jedem Konzert selbst überraschen!“
Für alle, die noch keine Chance hatten, die Band live zu erleben: Das Debütalbum von PRIM ist am 22. Juli beim Label recordJet erschienen und trägt den Titel „More & Less Diminished“.

Credits
Titelbild by PRIM
Cover des Albums © recordJet

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