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Veröffentlicht am 12.06.2015 von Harry Pfliegl

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Ornette Coleman: der Erfinder des Free Jazz

In den Kreisen von Jazzfreunden gilt Ornette Coleman als Legende. Hatte er doch 1960 mit Free Jazz ein innovatives Konzeptalbum auf den Markt gebracht, mit welchem er zugleich eine völlig neue Stilrichtung des Jazz begründete und zu einem der umstrittensten Innovatoren des Jazz wurde. Er verstarb am 11. Juni 2015 in New York an Herzversagen.

Flucht aus der Rassendiskriminierung

Geboren wurde Ornette Coleman am 9. März 1930 im texanischen Fort Worth, das in dieser Zeit noch stark von Rassentrennung geprägt war. Während der Kindheit lebte Ornette Coleman in ärmlichen Verhältnissen, zudem verstarb sein Vater sehr früh.

Einen entscheidenden Wendepunkt erlebte Ornette Coleman im 14. Lebensjahr, als er ein Saxophon geschenkt bekam. Sowohl Notenlesen als auch das Spielen auf dem Instrument brachte er sich selbst bei. Daraufhin spielte er als Jugendlicher in verschiedenen Rhythm&Blues Bands, bevor er mit 19 von zu Hause ausriss, sich einer Minstrel-Show anschloss und mit dieser auf Tournee ging. Er landete schließlich in Los Angeles, wo er sich zunächst mit diversen Hilfsjobs über Wasser hielt.

Ornette Coleman wird Profi

Auch Musiktheorie und Harmonielehre brachte sich Ornette Coleman im Selbststudium bei. Im Zuge des Lernens entwickelte er außerdem eigene musikalische Konzepte, welche auf mathematischer Logik basierten. Zusammen mit einigen Musikern bildete er eine eigene Band, mit welcher Ornette Coleman in kleinen Clubs in Los Angeles spielte. Einem Zufall verdankte Ornette Coleman seinen ersten Plattenvertrag: Ein Label hatte eines seiner Arrangements gekauft, dieses konnte jedoch nur von Colemans Formation gespielt werden. Schließlich wechselte das Ornette Coleman Quartett 1959 zu Atlantic Records und konnte sich durch ein Engagement im legendären New Yorker Five Spot in der US-amerikanischen Jazzszene etablieren.

Der Free Jazz entsteht

Sein bekanntestes Album, nämlich Free Jazz: A Collective Improvisation, nahm Ornette Coleman im Dezember 1960 zusammen mit einem Doppel-Quartett in New York auf. Dieses Album gilt als Meilenstein in der Entwicklung des Avantgarde Jazz und begründete die Stilrichtung des Free Jazz. Daraus entwickelte er in den 1970er Jahren ein eigenes System, in welchem die Improvisationen in linearen Intervallreihen erfolgt. Weil er das sogenannte harmolodische System mit aggressiven Rhythmen aus dem Rock sowie sphärischen Klängen kombinierte, gilt Ornette Coleman zudem als Free Funk-Pionier.

Experimentierfreudig blieb Ornette Coleman bis zu Sound Grammar, seinem letzten Album. Dieses wurde während eines Festivals in Deutschland aufgenommen, auf welchem er mit zwei Bassisten und einem Schlagzeuger in der Begleitband auftrat. Wenige Jahre zuvor hatte er außerdem mit Lou Reed sowie Eddy Grant zusammengearbeitet.

Foto: von Andy Newcombe Farnborough, UK (P1000870) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

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