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Veröffentlicht am 01.09.2016 von Johannes R. Buch

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Miles Davis

Miles Davis gehört mit seinem unverwechselbaren Stil zu den einflussreichsten, innovativsten und bedeutendsten Schlüsselfiguren des Jazz im 20. Jahrhundert. Davis nahm an der Bebop-Revolution teil und beeinflusste zudem die Entwicklung des Cool Jazz, Hard-Bop, des modalen Jazz und des Jazzrock. Als Instrumentalist gelang es Miles Davis mitunter durch seine innovativen Fähigkeiten kommerziell erfolgreich zu sein und seine Ideen konsequent zu verwirklichen. Erste Berühmtheit erlangte der Jazz-Trompeter, -Flügelhornist, Komponist und Bandleader an der Seite von Charlie Parker, in dessen Band er 1945 Dizzy Gillespie ersetzte. Davis begann zu experimentieren, beharrte nicht konservativ auf den Jazz-Stil und legte damit Grundsteine für neue Impulse.

Zahlreiche Musiker verdanken Davis ihren Durchbruch, da dieser immer wieder auf der Suche nach Talenten war und Ihnen Raum zur Entfaltung gab. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts erfahren Davis Alben und Kompositionen – heute Klassiker und Meisterwerke des Jazz – große Anerkennung bei Musikkritikern und Jazzfans. Davis Album „Kind of Blue“ wurde zu seinem 50. Jahrestag 2009 vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten eine symbolische Resolution gewidmet, „zur Ehrung des Meisterwerks und zur Bekräftigung, dass Jazz ein nationales Kulturgut ist“.

Jugend

Am 26. Mai 1926 wird Miles Davis in Alton, Illinois als mittleres Kind dreier Geschwister in ein vermögendes Elternhaus geboren. Sein Vater Miles Davis II. war Zahnarzt und Besitzer einer Farm östlich von East St. Louis. Auf einigen frühen Aufnahmen verwandte Davis den mütterlichen Namen Cleota Henry als Pseudonym. Seine Eltern waren Musikliebhaber und spielten ebenso wie seine ältere Schwester ein Instrument. Mit 3 Jahren zieht die Familie nach East st. Louis, einem Viertel ohne Rassentrennung, wo Davis eine sorgenfreie Kindheit verlebt. Mit neun Jahren bekommt Davis seine erste Trompete geschenkt und macht schnell Fortschritte. Er begann in einer High School Band zu spielen und erhält fortan eine fundierte Trompetenausbildung von Joseph Gustat, dem damaligem Solotrompeter des St. Louis Symphony Orchestra. Mit 16 tritt Davis in die Musikergewerkschaft ein. Um das Jahr 1942 begann er auch seine Beziehung zu Irene Birth, mit der er drei Kinder bekam.

Karriere

Im Jahre 1944 zieht Davis nach New York City, unter dem Vorwand Musik zu studieren, bricht aber nach wenigen Semestern ab, weil ihm die Ausbildung zu klassisch und für Davis Geschmack zu „weiß“ ist. Dafür besuchte Davis umso öfter die öffentliche Bibliothek um sich die Partituren von Vertretern der Neuen Musik, wie Igor Strawinski, Alban Berg und Sergei Prokofjew anzueignen. 1945 entstanden die ersten Aufnahmen des Charlie Parker Quintetts. Davis mangelt es in der Zeit noch an Selbstvertrauen und der technischen Virtuosität seiner Vorbilder. Sein Vater ermutigt Davis, seinen eigenen Stil zu finden, statt anderen nachzueifern. Als Charlie Parkers Heroinabhängigkeit immer häufiger zu Problemen führt, beginnt Davis sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren. Zusammen mit Gil Evans und Gerry Mulligan gründete er ein Nonett, welches auch für den Jazz ungewöhnliche Instrumente wie Tuba und Horn zum Einsatz brachte. Sie spielten 12 Aufnahmen für Capitol Records ein, lösten sich 1949 aber wieder auf.

Erst 1957 unter dem Titel „Birth Of The Cool“ werden die Aufnahmen des Nonetts richtig berühmt. Davis verliebt sich unglücklich in Juliette Gréco nachdem er auf dem Pariser Festival International 1949 de Jazz auftrat und konsumiert in der Folge Drogen bis zur Abhängigkeit. Die Ehe zu Irene Birth zerbricht wenig später. In den nächsten Jahren ist Davis Spiel von Lustlosigkeit geprägt und sorgt für wenig Aufsehen. Um sich von den Drogen zu befreien zieht er 1954 nach East St. Louis zurück und schafft mithilfe seines Vaters den Absprung. Davis geht daraufhin vorerst nach Detroit, damit er dauerhaft Abstand zur New Yorker Drogenszene halten kann. 1954 kam er wieder nach New York und entdeckt den Wah Wah-Dämpfer der fortan seinen Sound prägen soll. Im Juli 1955 folgt das Comeback als er unangekündigt beim Newport Jazz Festival drei Stücke präsentiert und zu Monks „Round Midnight“ ein legendäres Solo abliefert. Dieser Auftritt verschafft ihm einen Vertrag bei Major-Label Columbia.

Quintett und Sextett 1955-1958

1955 gründet Davis das Miles Davis Quintett, welches schnell berühmt wird. Um den Vertrag bei Prestige zu erfüllen nehmen sie zusammen vier Alben innerhalb von 2 Tagen auf. Die Qualität der Musik beweist deren gutes Zusammenwirken. Gleichzeitig spielen sie das Album „Round About Midnight“ für Columbia ein und Davis avanciert zum Star der Jazzszene. Drogenexzesse der Bandmitglieder führten zu ständig wechselnden Besetzungen. Zurück in New York stellte Davis dann sein Traumsextett zusammen, indem er Coltrane und Garland in die Band zurückholte. Das Album „Milestones“ entwickelte den neuen modalen Jazz weiter und enthielt neben Bebop auch bluesigere Stücke.

Kind of Blue 1959–1964

Als die Band 1959 ins Studio geht produzieren sie nach Aussagen Columbia Records das meistverkaufte Jazzalbum aller Zeiten. Das Rolling Stone führt das „Kind of Blue“ Album auf Platz 12 der 500 besten Alben aller Zeiten. Eigene Pläne einzelner Bandmitglieder führten nach einer Europatournee im Frühjahr 1960 zu weiteren Umbesetzungen. Am 21. Dezember 1960 heiratet Davis seine Freundin Frances Taylor. Um die 1961 bei Davis auftretenden Schmerzen durch eine Sichelzellenanämie zu lindern, begann Davis Alkohol und Kokain zu konsumieren, was seine Ehe schwer belastete.

Das zweite Quintett 1965-1968

Im Jahr 1965 nahm die neue Formation um Davis das Album „E.S.P.“ auf, welches mit neuen Kompositionen und einem eigenem Spielkonzept überzeugte. Seine Ehefrau verlässt ihn im selben Jahr wegen einer gewalttätigen Auseinandersetzung. 1966 erkrankt Davis an einer Leberentzündung und muss erneut für 3 Monate aussetzen, nachdem er schon an seiner Hüfte operiert wurde. In den folgenden Jahren entstanden mehrere weniger erfolgreiche Platten, da das breite Publikum die komplexen Rhythmen und Harmonien nicht ohne weiteres nachvollziehen konnte. Die Band begann ihre Live-Konzerte in durchgehenden Sets ohne Pausen zu spielen. Diese Technik behielt Davis bis zu seinem Rückzug 1975 bei.

Auf den Alben „Miles in the Sky“ und „Filles de Kilimanjaro“ nutzte Davis zum ersten Mal elektrische Instrumente. Die beiden Alben wiesen zudem den Weg zu Davis´ Fusion-Phase. Das 1969er Album „In a silent Way“ stellt eine stilistische Wende dar, nämlich die völlige Befreiung vom Bop-Konzept. Fusion aus Jazz und Rock prägen dieses Erstlingswerk der Fusionmusik. Echte Songkonzepte waren nicht mehr erkennbar, dafür gab es lange Improvisationen, die aufwendig vom Produzenten Teo Macero nachbearbeitet wurden. Die Postproduktion mithilfe von Loops wurde viel wichtiger als die traditionellen Jazzaufnahmen. Der Rhythmus war fortan nicht mehr von Swing, sondern mehr von Funk- und Rockelementen geprägt. Das 1970 erschienene „Bitches Brew“ Album wurde ein großer kommerzieller Erfolg.

Die Entwicklung von 1970–1975

Davis zog aufgrund der neuen Richtung immer mehr Hörer der Rockmusik an, während er alte Fans abschreckte. Chick Corea verlässt Ende 1970 die Band um sich noch mehr dem Fusion-Rock zu widmen, was Davis vergeblich zu verhindern versuchte. Um diese Zeit, mit neuem Bassisten spielte Davis auch erstmals Trompete über das Wah Wah-Pedal. Seitdem war Miles Davis für fünf Jahre nicht mehr unplugged zu hören. Auf den Berliner Jazztagen wird Davis Auftritt als der wichtigste des gesamten Festivals bezeichnet. Davis konsumierte wieder verstärkt Kokain und nahm acht Schmerztabletten pro Tag um seine Japan-Tournee im Jahr 1975 durchzustehen. Miles Davis, der von Autounfällen, Kehlkopfoperationen und Magengeschwüren geplagt war, zudem von einigen Kritikern zerissen wurde, fühlte sich mehr und mehr ausgelaugt.

Der Rückzug

Von 1975 bis 1980 spielte Davis nicht mehr, nahm dafür große Mengen Kokain, Heroin, Analgetika und Alkohol zu sich. Während Davis Jazz, klassische Musik, Blues, Soul und Funk in den Jahren von 1968 bis 1975 verband, entwickelte sich während seines Rückzuges der Fusion Jazz zur kommerziellen Musik und wurde von seinen Weggefährten weiterentwickelt.

Die letzte Dekade

1980 tritt Cicely Tyson in sein Leben zurück und er versucht seinen Drogenkonsum zu reduzieren. Im Mai entsteht sein Comeback-Album „The Man with the Horn“ und erscheint 1981, auf dem Davis sein Instrument wieder auf traditionellere Weise zu spielen beginnt. Zusammen mit der Pop-orientierten Band bekam das Album aber nur mittelmäßige Kritiken. Am 27. November 1981 heiratet er Tyson, doch erleidet wenig später einen Schlaganfall. Nach erfolgreicher Therapie kann er aber im April seine Europa-Tournee antreten. Das Live-Album „We Want Miles“ erhielt sehr gute Kritiken im Jahre 1982 und wurde mit einem Grammy ausgezeichnet. 1985 spielt er in der Kultserie Miami Vice den Drogendealer und Zuhälter Ivory Jones.

Auf seinem ersten Album unter Warner Brothers „Tutu“ 1986 kommen erstmals Samples, Drumloops und programmierte Synthesizer zum Einsatz. Dafür soll Davis seinen dritten Grammy bekommen. Es folgen Kooperationen mit Toto und Zucchero. 1989 erscheint Davis seine Autobiographie. Miles Davis fällt nach einem erneuten Schlaganfall ins Koma und stirbt am 28. September 1991 in Santa Monica, Kalifornien.

Davis Bedeutung und Einfluss

Miles Davis war ein außergewöhnlich produktiver Künstler, der in den 46 Jahren seines Schaffens zwischen 1944 und 1991 über einhundert Alben veröffentlichte, auf vielen weiteren als Sideman zu hören ist. Davis war ein Innovator, teilweise auch Popularisator. Sein selbstbewusstes Auftreten in der Öffentlichkeit war vielen Schwarzen damals ein Vorbild. Miles Davis Ansporn immer im Mittelpunkt des Musikgeschehens und des Zeitgeistes zu bleiben trieb den Künstler zu Höchstleistungen. Mitmenschen beschreiben Davis als empfindlich, wechselhaft und teils sogar unangenehm. So verunglimpfte der Künstler zahlreiche Mitmusiker in Radiointerviews. Oft spielte der drogenkonsumierende und unter Halluzinationen leidende Davis mit dem Rücken zum Publikum, welches dieses Verhalten als Ablehnung empfand.

Laut Kritiker Michael James verstand es kein Künstler besser das Phänomen der Einsamkeit in so eindringlicher Weise auszudrücken wie Miles Davis. Er folgte zeitlebens den Rat seines ersten Lehrers auf das Vibrato zu verzichten. Seine einzigartige Phrasierung und sein unverwechselbar fragiler Ton täuschten über die technisch eher durchschnittlichen Fähigkeiten Davis hinweg. Davis widmete sich in seinen letzten Jahren zunehmend der expressionistischen Malerei und zeichnete zahlreiche Selbstportraits.

photocredit: By Jean Fortunet (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

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